Rhönklub Melkers

 



Wanderung von Seidingstadt zum Bergkegel Straufhain

Es ist nicht immer leicht für den Organisator einer Wanderung, ein Ziel zu finden ,das allen Wünschen der Teilnehmer gerecht wird – sie sollte anspruchsvoll und eine sportliche Herausforderung sein, zur Bildung beitragen und etwas Neues bieten, neugierig machen auf etwas, was man noch nicht kennt. Vor allem der letzte Punkt traf auf die Wanderung zu, zu der sich 16 Wanderfreunde und Gäste des Rhönklub ZV Melkers am Ortseingang des kleinen Dörfchens Seidingstadt einfanden, um von da aus den Vulkankegel Straufhain mit seiner Burgruine zu ersteigen.

Die Tour begann allerdings mit einem kleinen Rundgang durch den ca. 250 zählenden Einwohner Ort, der zu DDR – Zeiten im Grenzgebiet Heldburger Land lag und heute ein Ortsteil der Gemeinde Straufhain im Landkreis Hildburghausen ist. Schmucke Fachwerkfassaden, gepflegte Vorgärten und liebevoll gestaltete Anlagen prägen das Dorfbild. Eines dieser Häuser ist das erhalten gebliebene Empfangsgebäude des ehemaligen Bahnhofs Seidingstadt. Von 1888 bis 1946 existierte eine Bahnverbindung zwischen dem Heldburger Land und Hildbughausen, die Strecke „Heldburger Bahn“. Sie wurde 1946 als Reparationsleistung demontiert. Heute befindet sich in dem Häuschen ein Eisenbahnmuseum.

 Die zweite Sehenswürdigkeit des Örtchens ist der Schlosspark des ehemaligen Jagdschlosses der Herzöge von Sachsen - Hildburghausen. Von hier aus wurden die Geschicke des Herzogtums während der Sommermonate gelenkt, sodass Seidingstadt in dieser Zeit sozusagen „ Residenzdorf“ war. 1792 wurde in diesem Schloss die Prinzessin Therese geboren, die spätere Gemahlin von König Ludwig I. von Bayern, der anlässlich seiner Vermählung das Münchner Oktoberfest ins Leben rief. Königin Therese, ehemals Prinzessin von Sachsen – Hildburghausen, war Namensgeberin der Münchner Theresienwiese. Es ist schon erstaunlich zu erfahren, welcher Zusammenhang zwischen diesem kleinen Dorf in Thüringen und dem größten Volksfest der Welt besteht.

Nun begann die eigentliche Tour. Eine von Obstbäumen gesäumte Allee führte die Wanderer zum Fuß des Bergkegels, dessen Ruine schon von Weitem grüßte. Vor dem Aufstieg durch den mit Eichen und Weißbuchen bewachsenen Wald gab es eine kleine geologische Einführung durch den Wanderfreund Jürgen Städtler zu dem Vulkankegel. Der 446 m hohe Berg ist Teil der Heldburger Gangschar, einer Vulkankette, zu der auch der große und der kleine Gleichberg gehören. Ein Relikt vulkanischer Aktivität im Tertiär ist auch heute noch zu sehen, unmittelbar unter dem Gipfel sind Reste eines Vulkanschlotes erhalten geblieben. Interessiert informierten sich die Teilnehmer an der Anschauungstafel über dieses geologische Denkmal und stellten sich vor, wie bei einer Eruption vor ca. 14 Millionen Jahren das Magma durch den Schlot schoss. Ein beeindruckendes Zeugnis der Erdgeschichte, das sicherlich Seltenheitswert hat.

Danach wurde der Aufstieg fortgesetzt und endlich der Berggipfel mit seiner Ruine erreicht. Oben wehte ein heftiges Stürmchen, was die atemberaubende Sicht in alle Himmelsrichtungen nicht beeinträchtigte. Glasklar sah man die „ Fränkische Leuchte“, die Heldburg, die beiden Gleichberge, die das Grabfeld dominierten, und die Veste Coburg. Das vom Wind bewegte Wolkenspiel passte perfekt zur mittelalterlichen Burgruine und verwandelte den Gipfel zu einem beinahe mystischen Ort. Trotzdem musste etwas Theorie sein: Die Burg „Stuphe“, später „Strauf“, wurde ca. um 800 erbaut und hauptsächlich von dem hennebergischen Grafengeschlecht der „Popponen“ bewohnt. Bis zur Zerstörung der Burg etwa um 1525 ( wahrscheinlich durch den Bauernkrieg) war sie das größte kulturelle Machtzentrum südlich des Thüringer Waldes. Hier fanden im 12. Und 13. Jahrhundert Turniere, Hoffeste und Jagdgesellschaften statt. Erst nach der Zerstörung der Burg übernahmen die Nachbarburgen Coburg und Heldburg diese Rolle.

Dass diese Burg im Mittelalter so bedeutsam war, war den Teilnehmern der Tour neu, was allerdings kein Wunder war, lag sie doch im ehemaligen Grenzgebiet der DDR und war außerdem von den Grenztruppen besetzt.

Nach der Wende begannen Touristen, Wanderer und auch Wissenschaftler sich wieder für das Heldburger Land und das Grabfeld zu interessieren, denn es gibt sicherlich sehr viel Neues zu entdecken und zu erforschen, was vor der Grenzöffnung kaum möglich war. Deshalb war dieser Ausflug in unbekannte Gefilde für Vereinsmitglieder und Gäste eine echte Neuigkeit, die allen gefallen hat. So wurde es jedenfalls deutlich, als man im Landgasthof !Stricker“ in Stressenhausen zusammensaß.

Maritta Städtler