Rhönklub Melkers

 



Auf den Spuren deutsch - deutscher Geschichte 

Blick von Bayern nach Thüringen mit Grenzanlage

Knapp 1400 km lang ist die von  Bayern bis zur Ostsee verlaufende riesige Grenzanlage, die die beiden deutschen Staaten voneinander trennte und DDR – Bürger daran hindern sollte, das Land in Richtung Westen zu verlassen. Ein Teil dieser innerdeutschen Grenze zog sich auch durch die Rhön – Grabfeld – Region, in der noch zahlreiche Relikte, die der Sicherung der ehemaligen Staatsgrenze der DDR dienten, erhalten sind. Jedes Mal, wenn sich am 13. August der „ Mauerbau“ jährt, ist die Erinnerung an dieses schreckliche Ereignis besonders lebendig, und deshalb beschlossen die Wanderer des Rhönklubs ZV Melkers, das deutsch- deutsche Freilandmuseum mit Mahn – und Gedenkstätte in der Nähe von Behrungen zu besuchen. So traf man sich trotz tropischer Temperaturen am 5. August auf dem Parkplatz des Grenzturmes, einer ehemaligen Führungsstelle, um sich mithilfe der noch im Originalzustand erhaltenen  Überbleibsel ein Bild von dem gigantischen Ausmaß der Anlage zu machen.
Erläuterungen dazu kamen vom Vereinsmitglied Jürgen Städtler, der mit seiner Familie 22 Jahre im „sogenannten“ Grenzgebiet wohnte, ganz nahe an der Grenze zu Bayern, die Zäune und Türme immer im Blickfeld. Kompetent erklärte er den Aufbau der Grenzanlage, die Funktion der verschiedenen Abschnitte und wozu die einzelnen Elemente dienten, die auf dem Museumsareal zu sehen waren. Anschaulich unterstützt wurden die Ausführungen von großen Anschauungstafeln, die das Riesenausmaß der Maßnahmen verdeutlichten. Kleine Episoden aus dem Alltagsleben im Grenzgebiet würzten humorvoll die Erzählung und wurden von den Zuhörern interessiert aufgenommen und animierten zu vielen Fragen.

Danach begann die Tour auf dem „ Grenzwanderweg“. Die Gruppe überquerte die ehemalige Staatsgrenze der DDR – einfach so, ganz selbstverständlich. Ein Schritt genügte von Thüringen nach Bayern – für manche Menschen noch nach 28 Jahren unfassbar!

Weiter ging es auf dem 3,5 km langen Denkmal – und Naturlehrpfad, dem sogenannten „Grünen Band“, der die historischen Anlagen in Thüringen und Bayern verbindet, an der Landesgrenze entlang in Richtung Rappershausen, dem bayrischen Nachbardorf. Eine üppige Vegetation trotz der anhaltenden Hitze begleitete die Wanderer durch den schattigen Wald, und bald war man im idyllischen Örtchen Rappershausen. Nach der Besichtigung der protestantischen Kirche -  offenbar eine Ausnahme im katholischen Bayern – und einer kurzen Rast am Info – Zentrum wurde die Tour auf dem ausgewiesenen Grenzwanderweg fortgesetzt. Die Strecke verlief durch Felder und Wald und endete  schließlich wieder am Ausgangspunkt, dem Grenzturm.

Für die Teilnehmer der Wanderung war dieser kleine Ausflug in die deutsch – deutsche Geschichte ein besonderes und interessantes Erlebnis und hat allen vor Augen geführt, persönliche Freiheit ist ein hohes Gut und keineswegs selbstverständlich. Diese Erkenntnis wurde bei einem gemeinsamen Mittagessen in der Römhilder Gaststätte „Ohne Namen“ noch einmal bekräftigt.

Maritta Städtler