Rhönklub Melkers

 



Wer mit uns wandert, kann was erleben...









Der Rhönklub Zweigverein Melkers auf Entdeckertour im Harz – die  Mehrtageswanderung in Hahnenklee- Goslar vom 01. bis 07.September 2019 

Die diesjährige Mehrtageswanderung führte die Wanderfreunde des Zweigvereines Melkers Anfang September nach Hahnenklee, unweit von Goslar. Angereist waren insgesamt 20 Personen, die am Ortsrand in schöner Lage im Residenzhotel „Harzhöhe“ untergebracht waren. Die Reisegruppe stand unter der bewährten Leitung von Brigitte Müller und Bernd Koutny. Bezüglich der spezifischen Wanderungen wurde für die bevorstehenden Aufenthaltstage ein erfahrener und professioneller Wanderführer aus der Region verpflichtet, der, mit viel Sachverstand ausgestattet, über allerlei Wissenswertes der Region informierte und den Teilnehmern die Schönheiten und Sehenswürdigkeiten nahe brachte.

Hahnenklee verfügt über eine überaus bewegte Vergangenheit. Erstmals wurde dieser Ort 1567 als Bergarbeiterort erwähnt und beschrieben. Der Bergbau war jahrhundertelang Lebensgrundlage und  Broterwerb der Menschen. Aufgrund der mangelhaften Ausbeute an Erzen (Blei, Kupfer Zinn, Silber), der bescheidenen Erträge und der äußerst dürftigen Lebensbedingungen kam dann 1930 das Aus. In der folgenden Zeit entwickelte sich der Ort bzgl. der notwendigen Infrastruktur, mit  dem Hotel- und Gaststättenwesen sowie den  Kureinrichtungen, zu einem etablierten Luftkur- und Erholungsort. Der Bocksberg mit 727 m Höhe spielte hierbei mit der umfassenden Erschließung in Form einer Kabinenbahn, dem Sessellift, einer Sommerrodelbahn, Bocksbergcarts  u.a. für alle Altersgruppen und Interessenten eine ganz entscheidende Rolle. Mit dem Berggasthof auf dem Gipfel waren zusätzliche Möglichkeiten des Aufenthaltes gegeben und vorhanden. Der Berg wurde  ein echter Anziehungspunkt.

Schon am Anreisetag stand eine erste Wanderung auf den Bocksberg, dem Hausberg des Kur- und Erholungsortes, auf dem Plan. Die Gruppe wanderte auf dem sogenannten  Liebesbankweg, einem 7 km langen Rundweg mit einer Vielzahl individuell und liebevoll gestalteter Bänke, die Besucher und Wandergruppen nutzen konnten. Dieser Weg  soll das Thema „Liebe und Natur“symbolisieren. Mit seinem ausgeprägten Landschaftscharakter, den vielfältigen Abstufungen zwischen Wäldern, Bergwiesen, Wasserflächen und -läufen ist die Natur sehr wohltuend und erholsam. Nicht zuletzt deshalb ist Hahnenklee heilklimatischer Luftkurort.

Weitere Wanderungen führten  zu den Stätten und Anlagen des früheren Bergbaus. Dieser  war in der gesamte Region des Oberharzes dominierend. Der Arbeitsalltag war durch die rein körperliche Arbeit und den primitiven Bedingungen äußerst hart. Erst mit der zunehmenden Erschließung der Wasserkraft und des Antriebs durch Wasserkrafträder konnten die Arbeitsprozesse Wasserabpumpen, Erzförderung und Personentransport wesentlich erleichtert werden. Dazu war es aber notwendig, die Wasserbereitstellung als Energieträger langfristig abzusichern. Hierzu wurde ein ausgeklügeltes System von Oberteichen und Kaskaden mit entsprechenden Wassergräben angelegt, die die notwendige Wasserbevorratung und – Bereitstellung garantierten. Bestes Beispiel hierfür war die Auerhahnkaskade, die 6 untereinanderliegende Teiche erfasste und als größte dieser Art seit 1680 das Grubenrevier Hahnenklee- Bockwiese versorgte. Ein Meisterwerk der Wasserkunst . Damals waren so 149 Teiche und mehr als 500 km Gräben vorhanden, heute werden noch 65 Teiche und 70 km Gräben unterhalten und bewirtschaftet. Sie stehen unter Denkmalschutz und werden als UNESCU- Weltkulturerbe geführt und von der  Oberharzer Wasserwirtschaft aktiv unterhalten und bewirtschaftet.

 Der Arbeitsalltag der Bergleute lag bei 12 Std. und war unter den damaligen Bedingungen extrem hart. Aufgrund der Belastungen und schädlichen Einwirkungen war die Lebenserwartung mit etwas über 40 Jahren relativ niedrig. Zur Sicherung des Lebensunterhaltes wurden oftmals auch Kinder zur  Arbeit mit eingesetzt. Größtenteils kamen diese über Tage in Pochwerken zum Einsatz. Erst mit dem Einsatz der Wasserkraft und Elektrizität wurde der Arbeitsablauf erleichtert.  

Ein besonderer Anziehungspunkt ist die Stabkirche am Fuße des Boxberges. Hier wurde in knapp 10- monatiger Bauzeit, nach norwegischem Vorbild, eine Holzkirche errichtet, die am 18. Juni 1908 eingeweiht werden konnte. Ein imposantes Bauwerk, welches im Baustil und in der Ausstattung einmalig in Deutschland ist. Die Gruppe hatte die Gelegenheit, dort auch an einem Konzert teilzunehmen.

Erwähnenswert ist auch, dass der bekannte und Künstler Paul Linke in Hahnenklee beigesetzt ist. Zu Ehren dieser Person wurde ein Denkmal errichtet und der Platz nach ihm benannt, es entstand der sogenannte Paul -Linke –Ring. Alljährlich werden in seinem Namen Auszeichnungen an prominente Texter und Komponisten vom Kulturamt der Stadtverwaltung Goslar vergeben.

Eine weitere Wanderung führte  nach Clausthal- Zellerfeld. Auch hier gab es einen ähnlichen historischen Verlauf wie in Hahnenklee. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde der Bergbau in den 30- er Jahren eingestellt. Zeugen der Vergangenheit -  ein Bergwerksmuseum von 1892 und ein Schaubergwerk mit Freilichtmuseum - vermitteln  ein umfassendes Bild von der Entwicklung des Bergbaues und von den beeindruckenden Leistungen der Bergleute. Heute ist mit der Technischen Universität in Clausthal, mit 2.500 Studenten aus vielen Ländern, eine bedeutende Bildungsstätte und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor entstanden. Besonders sehenswert ist die Blaue Marktkirche, die komplett aus Holz im 13.Jahrhundert errichtet wurde, und mit 52 x 26 m die größte ihrer Art ist. Eine Besichtigung war infolge von Umbaumaßnahmen leider nicht möglich. Im Ortsteil Zellerfeld entwickelte sich vorwiegend der Tourismus. In der St. Salvadorekirche konnte der große Flügelaltar von Werner Tübke bewundert werden, der in der Zeit von 1993- 1996 entstand. (Altarweihe am 13.4.1997). Tübke ist der geniale Gestalter des Ringpanoramas Bad Frankenhausen.

Ein besonderer Ausflug war der Besuch der 1000- jährigen Kaiserstadt Goslar.   In der alten Residenzstadt gibt es eine Vielzahl von historischen Stätten, die mit einst 47 Kirchen und Kapellen, von denen  heute  noch 5 große Pfarrkirchen mit Türmen vorhandensind, auf beeindruckende Weise das Stadtbild prägen. 1.500 alte, aber gut erhaltene Fachwerkhäuser aus verschiedenen Epochen vermitteln einen urigen mittelalterlichen Charme. Sehenswert ist auch die alte Stadtbefestigung mit Wallanlagen und dem Breiten Tor.  Mit einer Bimmelbahnfahrt – dazu mit Sprechanlage – konnte die Gruppe die historische Altstadt kennen lernen  und viel Wissenswertes erfahren. Das war eine gute Möglichkeit zur Erkundung der Stadt, die per pedes so nicht möglich gewesen wäre. Eine gute Idee der beiden Wanderleiter Brigitte Müller und Bernd Koutny. Deshalb ein besonderer Dank an beide. Die Betreuung war bestens.

Mit den eindrucksvollen Erlebnissen und bleibenden Erinnerungen trat die Gruppe die Heimreise an.

Theo Weyrich